Wie es sich bei den Narren so gehört, feiern diese ihre Jubiläen gerade, wie es ihnen einfällt. So auch die Hexengruppe der Pfullendorfer Stegstrecker. Diese Gruppe existiert bereits seit 1947, trat jedoch erstmalig im Jahre 1948 in Erscheinung. Bei einer so langen Tradition ist es einmal interessant, auf die Gründerzeit zurückzublicken.
Helmut Bosch, Ehrenhexe, Ehrenmitglied der Zunft und langjähriger Gruppenführer, hat eine umfassende Chronik über diese Gruppe erstellt, in der ihre Anfänge festgehalten sind.
Die Hexengruppe wurde 1947 von Franz Ehren sen. gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählten: Elsa und Heinz Boss, Anton Breichler, Alex Schwarzwälder, Otto Walter, Franz Kollöffel, Max Schenzle, Martha Frey-Vogler und Klara Gommeringer.
Franz Ehren hatte sich die Mühe gemacht, und die Pfullendorfer Geschichtsunterlagen studiert und im Landes- und Staatsarchiv Karlsruhe gestöbert, ob es eventuell schon einmal eine Hexengruppe gab. Laut mündlicher Überlieferung trieben schon in früheren Jahren, also im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, unorganisierte Hexen zur Fasnetszeit ihr Unwesen in der Linzgaustadt. Doch nichts davon hatte Bestand.
Das Gründungsjahr 1947 lag zeitlich sehr günstig, da das deutsche Volk, bedingt durch den langen 2. Weltkrieg, der in alle Familien sehr viel Leid und Elend brachte, sechs Jahre lang keine Fasnacht feiern wollte und durfte. Und 1946 war ein Straßenfasnachtstreiben in vermummter Form durch die französische Besatzungsmacht verboten. Erst 1947 wurde diese Bestimmung aufgehoben.
Karl Ehren sammelte bei völliger Geheimhaltung einige Männer und Frauen um sich und begeisterte diese für seine Idee. Jeder musste mithelfen und das Zeitungspapier für seine Masken selbst an langen Abenden in kleine Schnitzel zerreißen und außerdem seinen Besenstiel selbst in reichsstädtischen Waldungen nebst dem Besenreisig stehlen. Das Roggenstroh musste ebenfalls selbst besorgt werden, um die typischen Strohschuhe zu fertigen.
Die Überraschung war dann gelungen, als man sich der Bevölkerung 1948 präsentierte. Von Anfang an war man sich jedoch darüber einig, dass man mit verschiedenfarbigem Hexenhäs und nicht gleichfarbig, uniformähnlich auftreten wollte. Keiner wusste, wer unter den einzelnen Masken steckte, denn man tauschte bei jeder Gelegenheit diese wie auch die Kostüme aus.
Wie bereits erwähnt, nahm man anfangs Mitglieder beiderlei Geschlechts auf. Bald wurde durch den Stellvertreter, Helmut Bosch, der die Gruppe 1954 übernahm, erkannt, dass es Liebeleien, Eifersüchteleien und Streitereien in der Gruppe gab. Fortan wurden nur noch männliche Mitglieder aufgenommen, und das blieb bis heute so.
Anfangs waren die Hexen eine lose Vereinigung, was am Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder deutlich wurde. Jeder lief davon, wie es ihm passte.
Helmut Bosch knüpfte daraufhin harte Bedingungen an die Gruppe. Im November 1982 übergab Bosch, der bei seiner
Übernahme damals gerade mal 5 Hexen um sich hatte, rund 60 Hexen an seinen Nachfolger Karl Hiestand. Dieser stand den Hexen bis 1994 vor und übergab seinerseits dieses Amt an Karl - Heinz Birkhofer. Am 20.11.1996 über nahm Thomas Heim das Amt der 1. Oberhexe, der dieses bis heute inne hat.
 

 

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